“Getränkemärkte wird es bald nicht mehr geben”

Andreas Jamm im Gespräch mit Ferdinand Barckhahn, Geschäftsführer SodaStream DACH, über die Disruption im Getränkemarkt, Innovationen mit Leitungswasser, das veränderte Kundenbewusstsein und dessen positive Effekte für unsere Umwelt.

Die SodaStream GmbH brachte 1994 den ersten Trinkwassersprudler in Deutschland auf den Markt. Der NASDAQ-notierte Weltmarktführer vertreibt seine Produkte in 47 Ländern. Weltweit sprudeln mehr als acht Millionen Haushalte ihre Getränke mit SodaStream selbst. Dank moderner Wassersprudler und vielfältigen Innovationen im Getränkebereich, ist SodaStream seit Jahren Marktführer auf seinem Gebiet.

Zur Person:

Ferdinand Barckhahn, geboren und aufgewachsen in Santiago de Chile, studierte in Gießen und Saarbrücken Betriebswirtschaftslehre. Stationen seiner beruflichen Laufbahn waren PepsiCo, Danone, Novartis und Pernod-Ricard. Seit 2016 ist er Geschäftsführer DACH der SodaStream GmbH. Er tritt an, mit SodaStream nachhaltig den tradierten Getränkemarkt zu verändern. Barckhahn ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Frankfurt am Main. Er ist zudem leidenschaftlicher BVB-Fan und spielt selber aktiv Fußball.

Andreas Jamm: Was ist Ihr persönliches Verständnis von Disruption? Inwieweit entspricht Ihre Unternehmensentwicklung diesem Disruptions-Verständnis?

Ferdinand Barckhahn: Das Thema Disruption beschäftigt mich persönlich schon länger und meine Lieblingsliteratur dazu ist das Buch “Zero to One” von Peter Thiel. Disruption, im marktwirtschaftlichen Kontext, kann bestehende Systeme, Dienstleistungen und Produkte vollständig ablösen. Wir arbeiten in der Getränkebranche und befriedigen ein Grundbedürfnis der Menschen. Distruptive Kräfte sind hier also erst einmal weniger am Werk. Es sei denn die Art und Weise, wie wir unseren Durst löschen, wird sich in der Zukunft grundsätzlich ändern. Dennoch ist es unser Ziel, den Getränkemarkt zu revolutionieren. Als Unternehmen sind für uns Innovationen unsere Triebfedern.

Der Kunde und seine Bedürfnisse stehen dabei immer an erster Stelle. Zum Beispiel wollen wir Konsumenten vom Schleppwahn und vom ökologischem Unsinn, der damit verbunden, ist befreien. Ein Gang zum Supermarkt oder dem Getränkeabholmarkt, um leckeres, gesprudeltes Wasser oder Softdrinks zu konsumieren, ist unserer Meinung nach nicht mehr notwendig. Allein in den letzten 2,5 Jahren haben wir unsere Haushaltspenetration verdoppelt und täglich kommen hunderttausende Haushalte neu dazu. Der Konsument versteht, dass Leitungswasser in Deutschland das am besten kontrollierte Lebensmittel ist. Die top Qualität wird auch von Stiftung Warentest bestätigt! Ferner spart man mit SodaStream Zeit, Geld und man bekommt frisches Wasser zum Sprudeln direkt aus dem Wasserhahn. Es macht keinen Sinn, abgestandenes Wasser, welches wochenlang aus Frankreich in die Regale transportiert wurde und voll mit Mikroplastikpartikel ist, zu konsumieren. Es ist eine Bewegung, die nicht mehr aufzuhalten ist. Den klassischen Getränkemarkt, so wie wir ihn heute kennen, wird es meiner Meinung nach in 10-15 Jahren nicht mehr geben.

Andreas Jamm: Wann muss Ihrer Meinung nach ein Unternehmer disruptiv mit seinem Geschäftsmodell umgehen? Muss erst eine offensichtliche Krise kommen, bevor man sich bewegt und das Unternehmen neu erfindet?

Ferdinand Barckhahn: Der Erfolg eines Unternehmens hängt meiner Meinung nach nicht vom Disruptionsgrad ab. Entscheidend ist doch, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung ein relevantes Nutzenversprechen an den Konsumenten liefert. Der Erfolg von SodaStream hat sich vor 7 Jahren eingestellt, als man konsistent auf „Einfach sprudeln, statt schwer schleppen“ gegangen ist. Kein Konsument hat Lust, Flaschen von A nach B zu schleppen. Diesen Nutzen jedes Jahr mit immer mehr Werbeinvestitionen zu pushen, führte dazu, dass ein Umdenken stattfindet. Erst wenn der Konsument begreift, dass das neue Angebot besser als das Bewährte ist, kann Disruption stattfinden. Dazu ist meiner Meinung nach keine Krise notwendig, sondern ein klarer Fokus des Unternehmens auf den Konsumenten.

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Andreas Jamm: Wie stark hat sich Ihre Branche gewandelt, bzw. gibt es eine Disruption im Getränkemarkt?

Ferdinand Barckhahn: Wir haben uns exzeptionell gut entwickelt. Unser Umsatz in Deutschland hat sich in den letzten 2,5 Jahren verdoppelt. Doch wir stehen erst am Anfang. In etwa 8 % der deutschen Haushalte nutzen einen SodaStream-Wassersprudler. Es gibt für mich keinen Grund, warum nicht jeder Haushalt sich unserer Bewegung gegen Flaschenschleppen und Plastikmüll anschließen sollte.

Andreas Jamm: Disruption wird in der Regel mit der Verfügbarkeit und dem Einsatz neuer Technologien in Verbindung gebracht. Welche Technologien oder andere fundamental neuen Lösungskonzepte sind für Sie ausschlaggebend? Was waren sonst Ihrer Meinung nach relevante Treiber des Wandels?

Ferdinand Barckhahn: Technologien sind sicher ein Treiber für Disruption, aber ohne Verständnis, ob die Technologie erfolgreich einen Nutzen auf breiter Ebene stiften kann, ist diese zwecklos. Die Schnittstelle zum Konsumentenverständnis ist ausschlaggebend. Erst als Microsoft dem Endverbraucher Windows – Office präsentieren konnte und der Konsument verstand, dass man keine Schreibmaschine, Taschenrechner, physische Ablagen, etc benötigt, wurde der Computer zum weltweiten Erfolg. Vorher waren es nur Nerds, die auf Tastaturen geklimpert haben.

Andreas Jamm: Können Sie Unternehmern drei Ratschläge oder Tipps geben, die Ihnen helfen Ihre Disruption, bzw. digitale Transformation erfolgreich anzugehen?

Ferdinand Barckhahn: Erstens: Der Konsument entscheidet! Er steht im Zentrum jeder Transformation. Zweitens: It’s all about people and mindset! Investiere Zeit, um die richtigen Personen ins Team zu holen und stelle die Einstellung des Unternehmens auf Wandel & Positivität! Drittens: Nicht jede Firma braucht totale Disruption oder digitale Transformation! Schau, was funktioniert und integriere. Verabschiede dich schnell von dem, was nicht funktioniert!

Zur Sodastream GmbH

SodaStream® ist eine Marke der SodaStream GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie gehört zur internationalen SodaStream Gruppe. 1994 brachte das Unternehmen den ersten Trinkwassersprudler in Deutschland auf den Markt. Außer im heimischen Markt vertreibt der NASDAQ-notierte Weltmarktführer seine Produkte in 47 weiteren Ländern. Weltweit sprudeln bereits mehr als acht Millionen Haushalte ihre Getränke mit SodaStream selbst. Jährlich werden mit SodaStream 1,5 Milliarden Liter Trinkwasser zu Hause aufgesprudelt. Dank moderner Wassersprudler mit spülmaschinenfesten Glaskaraffen und vielfältigen Innovationen im Getränkebereich ist SodaStream seit Jahren Marktführer auf seinem Gebiet. Die Produkte wurden bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem durch Stiftung Warentest und Öko-Test.

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