„Transformation ist Kommunikation“

Matthias Bauer ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Vogel Communications Group. Im Gespräch mit Andreas Jamm berichtet er über die digitale Transformation der Unternehmensgruppe und wie man diese mit Hilfe von Kommunikation, Kultur und Teamwork erfolgreich vorantreibt.

Zur Person:

Matthias Bauer ist seit 2018 Vorsitzender der Geschäftsführung der Vogel Communications Group. Ein Jahr zuvor wurde er zum Geschäftsführer mit Fokus auf die digitale Transformation der Unternehmensgruppe ernannt. Der studierte Betriebswirt und Medienmanager (MBA) begann seine Karriere im Controlling von Vogel Business Media. Es folgten u.a. Stationen als Director International Business & Strategy der Vogel Communications Group und als Chief Corporate Development Officer der gesamten Vogel-Gruppe. Bauer gilt als Digital-Experte und verfügt über eine hohe Expertise im Strategic Business Development.

Andreas Jamm: Was ist Ihr persönliches Verständnis von Disruption? Inwieweit entspricht Ihre Unternehmensentwicklung diesem Disruptions-Verständnis?

Matthias Bauer: Disruption haben wir bei Vogel seit Anbeginn in unserer DNA. Somit steht auch die aktuelle Strategie in einer Tradition der steten Weiterentwicklung, die schon vor 128 Jahren begann. Konkrete strategische Schritte unter der Überschrift Vogel 2022 haben wir im Zuge der Neuaufstellung unserer Geschäftsführung vor rund zweieinhalb Jahren begonnen. Wir sind schon lange kein reines Fachmedienhaus mehr. Mit den drei Säulen Media, Agentur und Wissen decken wir neben der Fachinformation Themen wie Weiterbildung, Corporate Communications, Events und PR-Kampagnen ab – Dinge, die wir auch schon früher gemacht haben, die aber bisher nur ein Bruchteil unserer 5.000 B2B-Kunden nutzt.

Andreas Jamm: Wann muss Ihrer Meinung nach ein Unternehmer disruptiv mit seinem Geschäftsmodell umgehen? Muss erst eine offensichtliche Krise kommen, bevor man sich bewegt und das Unternehmen neu erfindet?

Matthias Bauer: Da gibt es keine Faustregel. Jedes Unternehmen und jede Branche sind anders. Ich glaube nicht, dass es erst einer Krise bedarf. Kein Markt ändert sich über Nacht. Wenn man also Veränderungen frühzeitig erkennt und richtig interpretiert, kann man dementsprechend auch frühzeitig Anpassungen im Unternehmen anstoßen. Das Entscheidende ist, dass man Signale ernst nimmt und Weiterentwicklung als Teil der Realität anerkennt.

Andreas Jamm: Wie stark hat die Transformation, bzw. Disruption Ihre „Branche“, Ihr Ecosystem und Ihr Geschäftsmodell gewandelt?

Matthias Bauer: Wir bei Vogel haben festgestellt, dass das ursprüngliche Konzept der werbefinanzierten Fachzeitschriften im Wechselversand nur noch einen Teil unserer heutigen Fachkommunikationswelt abbildet. Entsprechend nimmt – in der Mehrjahresbetrachtung – die Relevanz von Printanzeigen und digitaler Displaywerbung in unserer Umsatzverteilung signifikant ab.

Unsere Fachmedien sind wahrscheinlich stärker denn je in den Märkten verankert, doch im Gegensatz zu früher nutzen Unternehmen heute immer häufiger eigene Plattformen und Kommunikationskanäle. Durch unsere wachsenden digitalen Angebote sowie den Ausbau der Live-Kommunikation über unsere Business-Events, haben wir dieser Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren Rechnung getragen. Wir folgen den Bedürfnissen und Budgets unserer Kunden und bieten umfassende Kommunikationsleistungen an. Und das geht weit über unser früheres Mediengeschäft hinaus.

Andreas Jamm: Disruption wird in der Regel mit der Verfügbarkeit und dem Einsatz neuer Technologien in Verbindung gebracht. Welche Technologien oder andere fundamentalen Umstände sind für Sie ausschlaggebend? Was waren sonst Ihrer Meinung nach relevante Treiber des Wandels?

Matthias Bauer: In den vergangenen Jahren ist die Zahl an Kommunikationskanälen und -bedürfnissen explosionsartig gestiegen. Damit geht auch eine Umverteilung der Kommunikationsbudgets einher. Als umfassender B2B-Kommunikationsanbieter bedienen wir professionell die veränderten Kommunikationswünsche unserer Kunden auf allen relevanten Kanälen.

Unter anderem arbeiten dazu an unserem Standort Berlin schon heute rund 130 Personen in vier Agenturen. Dazu kommen noch Vogel Ventures und unsere Beteiligungen, z.B. an Atheneum Partners, einem weltweiten Netzwerk mit über 450.000 Experten.

Mit der Neuaufstellung als Vogel Communications Group rüsten wir uns für die absehbaren Umwälzungen in der Fachkommunikationslandschaft. Deshalb beschäftigen wir uns zunehmend mit Chatbots und Künstlicher Intelligenz in der Sprachverarbeitung.

Andreas Jamm: Können Sie Unternehmern drei Ratschläge oder Tipps geben, die Ihnen helfen Ihre Disruption, bzw. digitale Transformation erfolgreich anzugehen?

Matthias Bauer: Transformation ist Kommunikation – deshalb fängt jeder Wandel mit viel interner Kommunikation an. Hier sollte man Formate der direkten Kommunikation nutzen wie Standups, Learning Lunch und monatliche Infonewsletter für alle Mitarbeiter.

Transformation gelingt nur mit Kultur – auf Basis einer klaren, zukunftsfähigen Corporate Identity muss sich eine Unternehmenskultur entwickeln, die neue Ideen und neues Arbeiten möglich macht.

Transformation ist Teamwork – am besten sucht man sich eine Gruppe von Markenbotschaftern, die die Weiterentwicklung in ihren Bereichen begleiten und konkret umsetzen und sich gegenseitig enjour halten.

Andreas Jamm: Vielen Dank für das spannende Interview, Herr Bauer!

Über Vogel Communication Group:

Vogel Communications Group ist einer der führenden Dienstleister für B2B-Kommunikation im deutschsprachigen Raum. Hauptsitz ist Würzburg. Mit vier Agenturen am Berliner Standort bietet die Gruppe umfassende Kommunikationskompetenzen. Die Angebote der Gruppe reichen von Fachmedien, Corporate Publishing, Social-Media-Services, PR, Messedienstleistungen, Netzwerken und Communitys bis zu Market Intelligence & Insights. Die Publishingbereiche führen 100+ Fachzeitschriften, 100+ Webportale, 100+ Business-Events sowie zahlreiche mobile Angebote und internationale Aktivitäten. Die Print- und Digital-Medien eröffnen den Zugang in 14 Branchen in den fünf Wirtschaftsfeldern Industrie, Automobil, Informationstechnologie, Recht/Wirtschaft/Steuern und B2B-Kommunikation.

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