“Digitalisierung – was läuft schief und warum?”

Andreas Jamm, CEO von BOLDLY GO INDUSTRIES im Interview mit Dr. Winfried Felser über den Status Quo der Digitalisierung in Deutschland und wie Unternehmen den holistischen Ansatz digitaler Transformationsvorhaben effektiv in ihre Geschäftsmodelle integrieren können.

Digitalisierung, Innovate, Design, Transform

Als Innovator geht die Technologie- und SAP-Beratung BOLDLY GO INDUSTRIES mit seinen Kunden neue Wege in der digitalen Geschäftswelt. Mit seinen innovativen Methoden werden digitale Anwendungen und Dienste für die Zukunft geschaffen

Zur Person:

Andreas Jamm ist Gründer und CEO von BOLDLY GO INDUSTRIES GmbH, einer führenden Innovations- und Technologieberatung. Seine Leidenschaft für IT reicht gut 35 Jahre zurück. Nach Studium der Informatik und einer mehrjährigen Beraterlaufbahn in einer internationalen Managementberatung, erfolgte im Jahr 2000 die Gründung des eigenen Unternehmens. Seine vielschichtige Lebens- und Arbeitsbiographie ermöglicht es, visionäre Ideen auf pragmatische Art und Weise mit der Unternehmenswelt von heute zu verbinden. Er und sein Experten Team beraten und begleiten Unternehmen bei der der Digitalen Transformation und der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. Für seine Kunden und Mitarbeiter ist er Impulsgeber und Innovator. Neben der unternehmerischen Arbeit ist er in zahlreichen Netzwerken und als Speaker auf Kongressen aktiv. Er fördert zudem Start-Up Unternehmen als Business Angel und Co-Founder.

Dr. Winfried Felser: Herr Jamm, wie bewerten Sie vielleicht etwas differenzierter – den Status Quo der Digitalisierung? Was läuft noch schief und warum? Was verhindert den echten Erfolg?

Andreas Jamm: Digitale Transformation wird getrieben durch die immanenten Digitalisierungsbestrebungen und bedarf einer genaueren Betrachtung als bisher. Wenn man heute fragt, was darunter zu verstehen ist, werden unterschiedliche Ebenen adressiert. Digitale Transformation steht aber insbesondere für neue Geschäftsmodelle mit neuen Produkten und Diensten. Und dies beinhaltet auch, dass Unternehmen sich als Ganzes neu ausrichten oder erfinden müssen. In der Masse wird Digitalisierung leider immer noch als der nächste technologische Schritt verstanden. Als Technologie, die neue Möglichkeiten und Funktionen liefert, aber nicht etwas in Frage stellt. Wenn man Digitalisierung aus der rein technologischen Brille betrachtet, sind wir in Deutschland wahrscheinlich schon Weltmeister.

Dr. Winfried Felser: Es mangelt nicht an Ingenieurskunst, der Fähigkeit Sensoren an etwas zu schrauben oder Geräte zu vernetzen. Wieso scheitern dennoch viele Digitalisierungsvorhaben?

Andreas Jamm: Meine Waschmaschine kann ich mit dem iPhone bedienen. Aber ist das Digitalisierung, wie sie gebraucht wird? Wenn man im gleichen Atemzug über neue, disruptive Geschäftsmodelle spricht, wie Uber, Airbnb, dann lässt sich diese Erwartungshaltung an Transformation und Digitalisierung nicht vereinbaren. Eine App-gesteuerte Waschmaschine ist eben kein Dash-Button von Amazon. Die Lösung liegt darin, die maximale Kundenperspektive einzunehmen. Wie kann der Kunde in eine neue Form der Unterstützung katapultiert werden? Es kann nicht sein, dass man nur an der Bedienungsfreundlichkeit arbeitet oder dem Kunden Gerätedaten verfügbar macht, die aber faktisch keinen Mehrwert liefern. In der letzten Konsequenz geht es darum, den Kunden bei seinen Problemen abzuholen und diese dann in sinnvolle digitale Lösungen zu packen. Somit ist die bisherige Sichtweise auf das Thema Digitalisierung in Deutschland das Problem. Es fällt vielen schwer, den nächsten Schritt zur Transformation zu wagen, weil im Kleinen gedacht wird und der Mut fehlt, in neue Lösungsfelder zu springen – also mit aller Konsequenz disruptiv zu sein und zu handeln.

Dr. Winfried Felser: Zunächst wurde bei der Digitalisierung oft intern und lokal gedacht und Effizienz optimiert. Das ruft nach neuem Marktfokus, Denken in Mehrwerten und Value@Scale. Reicht das? Was ist Ihr Zielszenario für ein Neudenken von Wertschöpfung, Märkten und Organisationen? Wie würden Sie die perfekte „Digitalisierung“ beschreiben?

Andreas Jamm: Mit der Initiative „Value Landscape“ haben wir bereits eine Diskussion über das Zukunftsthema Digitalisierung von Wertschöpfungsnetzwerken angestoßen. So eine Werteoffensive über das Werkstor hinaus kann nur durch Partnerschaften entstehen, die auch den Kunden einschließt, sodass gerade für ihn Werte in den erforderlichen Ausprägungen sichtbar und nachvollziehbar werden. Darin liegen unsagbar viele Möglichkeiten, die über die bisherigen Effizienz- und Optimierungsbemühungen der Digitalisierung hinausgehen.

Dr. Winfried Felser: Mit der partnerschaftlichen Bündelung von digitalen Lösungsansätzen können ökonomische, ökologische oder gesellschaftliche Herausforderungen gemeistert werden – ist das eine Meinung, die Sie teilen?

Andreas Jamm: Ja, dafür müssen jedoch alle beteiligten Stakeholder ihre Karten auf den Tisch legen. Es geht um Offenheit, Ehrlichkeit, Fairness und natürlich Markttransparenz. Leider sehen wir jedoch einen gegensätzlichen Trend. Die Markttransparenz nimmt eher ab. Digitale Filter verschleiern Informationen, Angebote und verändern die Mündigkeit der Menschen nachteilig. Digitale Daten und Informationen sollten einen positiven, werteorientierten Beitrag leisten. Ein Umdenken und ein Mitwirken der Gatekeeper ist deshalb erforderlich, damit Transparenz über die Wertschöpfungskette erreicht wird. Selbst wenn Unternehmen die Sinnhaftigkeit eines Wandels z.B. auf Ebene des Top-Managements verstanden haben, fällt die Transformation nicht vom Himmel. Eine Fehlfokussierung auf „vor allem Technik“ muss aktiv überwunden werden und auch das Wegdefinieren in Richtung einzelner unverbundener Inseln.

Dr. Winfried Felser: Was ist der richtige Fokus der Digitalen Transformation und wie identifiziert man die richtigen Prioritäten für den Wandel? Wie nimmt man alle mit, die man mitnehmen möchte und überwindet Skepsis und negative „Einstellungseffekte“?

Andreas Jamm: Wenn man Digitale Transformation nicht allein als eine rein IT-getriebene Aufgabe versteht, sondern sie als einen Sprung hin zu einem anderen, neuen Geschäftsmodell mit einer entsprechenden Kultur begreift, dann muss man auch die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Und Rahmenbedingungen heißt, dass hierfür die Gesamtorganisation entsprechend ausgerichtet werden muss. So, wie man gestern ein Unternehmen für die Old Economy gebaut hat, braucht es nun eine Organisation, die für die New Economy und den Herausforderungen des digitalen Zeitalters funktioniert. Dazu gehören alle Dimensionen der Organisationsgestaltung. People, Leadership, Culture, Process, Space, usw. sind am Ende die Dimensionen, die ein Unternehmen zukunfts- und wettbewerbsfähig machen. Einzelne Dimensionen herauszugreifen und zu ändern, reicht nicht aus.

Dr. Winfried Felser: Der holistische Zusammenhang muss von allen Beteiligten verstanden und, besonders wichtig, auch akzeptiert werden. Wie sehen Ihrer Meinung nach die nächsten Schritte im Transformationsprozess aus?

Andreas Jamm: Wenn der gesamtheitliche, nicht-separierbare Ansatz nicht verstanden wird, bleibt es nur bei einer unzureichenden Zustandsoptimierung. Unsere Innovations- und Technologieberatung durchlebt seit mehreren Jahren einen Transformationsprozess, der aufgrund unseres hohen Anspruchs an Marktagilität auch weiter anhalten wird. Dieser stetige Wandel mit seinen iterativen Anpassungen ist für das gesamte Team herausfordernd. Es sichert unsere gemeinsamen Unternehmungen aber auch die Zukunft!

Meet our Experts,, Boldy Go Industries

Dr. Winfried Felser: Deutscher Mittelstand winkt gerne ab, wenn ihm als Benchmark für eine Digitale Transformation Unternehmen wie Google oder Zappos präsentiert werden. Zu unterschiedlich sind Business-Modell, finanzielle Möglichkeiten und Risikobereitschaft. Können Sie Unternehmen nennen, aus Ihrer Sicht eine erfolgreiche Digitale Transformation realisieren?

Andreas Jamm: Ein mittelständisches Unternehmen, welches viele Facetten einer Digitalen Transformation durchlebt hat, ist die Firma Truma. Der Weg von einem reinen Gerätehersteller hin zu einem Systemanbieter für komfortables Reisen bedurfte eines mutigen Umdenkens und Handelns. Das Unternehmen brachte 1961 die „erste offiziell anerkannte Wohnwagenheizung“ auf den Markt und entwickelte sein Geschäftsmodell und seine Unternehmenskultur über die letzten Jahre konsequent weiter. Die Produktpalette reicht mittlerweile von Heiz-, Klima- und Energiesystemen bis zu Rangiersystemen für Caravans. Das Familienunternehmen bietet neue Produkte und Services, die die Innovationsführerschaft sichern und die Kunden begeistern. So sind Produkte von Truma inzwischen digital vernetzt und über Apps steuerbar. Dies gelang jedoch nur, weil neben dem Produkt- und Serviceportfolio unter anderem auch die Markenbotschaft, das Management-/Führungskonzept, die organisatorischen Strukturen und die Arbeitsumgebung transformiert wurden. Die Neuausrichtung betraf alle Bereiche und sichert so die Zukunftsfähigkeit von Truma.

Dr. Winfried Felser: In Worst Case Szenarien kommt es zu dystopischen Entwicklungen mit Prekariat, zunehmender Dualisierung und Destabilisierung unserer Demokratie. Wie realistisch sind solche Szenarien? Was kann „man“ dagegen tun und was tun Sie?

Andreas Jamm: Es ist schon jetzt für viele Menschen spürbar, dass die zunehmende, rasante Digitalisierung unsere Gesellschaft verändert und prägt. Digitalisierungsverweigerer oder Abgehängte, die populistisch argumentieren und polarisieren, werden die Zukunft in ihrem Sinne und für ihre Zwecke düster zeichnen. Deshalb stehen Wirtschaft und Politik hier in der Verantwortung, Antworten auf diese Veränderungen zu geben und Maßnahmen einzuleiten, die dem entgegenwirken. Politik muss die Menschen auf die zukünftigen Arbeitsmarktchancen hinweisen und auf die Arbeitswelt von übermorgen vorbereiten. Es gilt, die Vorteile und Mehrwerte der Digitalisierung zu verbalisieren. Nicht nur in einem übergeordneten, sondern in einem verständlichen und nachvollziehbaren Kontext.

Dr. Winfried Felser: Menschen müssen lernen, dass sich das heutige Verständnis von Arbeit radikal ändert und Attribute, wie Eigenverantwortung und -initiative wichtiger werden. Welche Lehren müssen Unternehmen Ihrer Meinung nach ebenso daraus zu ziehen?

Andreas Jamm: Unternehmen sollten besonders vorausschauend ihre Organisation und ihre Mitarbeiter auf diesen Wandel vorbereiten. Sie stehen insbesondere in der Verantwortung, zukunftsfähig zu bleiben und am Standort Deutschland Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Dafür bedarf es aber Mut und Willen zur Veränderung. Unser Unternehmen hat sich in den letzten Jahren neu aufgestellt und sich mit dem Angang neuer innovativer Geschäftsfelder für die Zukunft optimal positioniert. Damit einher ging auch ein neues Verständnis, welche Rolle, welche Verantwortung und welchen Beitrag unsere Mitarbeiter für unser Unternehmen haben sollen. Wir haben versucht, alle mitzunehmen und sie auf die Herausforderungen, die vor uns allen stehen, vorzubereiten. Jeder Unternehmer sollte es als Auftrag ansehen, dass Digitalisierung der Gesellschaft, den Menschen und den Arbeitenden nutzt.

Zu BOLDLY GO INDUSTRIES 

Wir sind Entdecker und Wegbereiter für Innovation und Technologie. Auf den Feldern Strategy, Design, Data und Technology wagt das Unternehmen mit seinen Kunden mutige Schritte im digitalen Zeitalter. Denn Stillstand ist für erfolgreiche Unternehmen keine Alternative. Für BOLDLY GO bedeutet Innovation, stets weiter zu gehen als zuvor. Deshalb nehmen sie ihre Kunden mit auf Entdeckungsreise und antworten auf ihre Fragen von morgen. In der außergewöhnlichen Crew aus Strategie-Beratern, User Experience-Designern, Data Scientists und SAP-Beratern kommen dazu die besten Köpfe ihres Fachs zusammen. In interdisziplinären Labs werden agile Smart Services entwickelt. Damit wird den Kunden der entscheidende Vorteil verschafft, konsequent in Bewegung zu sein.

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