“Wir disruptieren die Mobilität”

Alexander Zosel, Co-Founder & Chief Innovation Officer der Volocopter GmbH, berichtet im Interview mit Andreas Jamm, wie aus einer Vision der urbanen Mobilität Wirklichkeit wurde und welche Rolle neue Technologien hierbei spielten.

Die Volocopter GmbH ist weltweit führend bei der Entwicklung von senkrecht-startenden, voll-elektrischen Multicoptern für den Personentransport und als Schwerlastdrohnen. Durch den Einsatz neuer Technologien erfindet das Unternehmen Mobilitätslösungen für die Zukunft.

Zur Person:

Als 15-Jähriger konstruierte und baute Alex Zosel bereits 1981 zusammen mit Freunden eine der ersten Skateboard Halfpipes Deutschlands. Während seines Studiums des Bauingenieurwesens entwickelte er sein erstes Patent und ist bis heute als „Serial Entrepreneur“ und Selfmademan durch und durch Unternehmer. Mit seiner Begeisterung und dem festen Glauben an seine Visionen zur Mobilität der Zukunft in der dritten Dimension bringt er viel innovative Energie in das Volocopter Team.

Andreas Jamm: Was ist Ihr persönliches Verständnis von Disruption? Inwieweit entspricht Ihre Unternehmensentwicklung diesem Disruptions-Verständnis?

Alexander Zosel: Disruption heißt für mich, Neues zu wagen. Dafür braucht es Mut und Überzeugung von der eigenen Idee. Als wir 2011 Volocopter gegründet haben und erstmals die Vision eines autonomen Lufttaxis hatten, wurden wir von allen Seiten belächelt. In den letzten Jahren ist das Thema immer relevanter geworden. Heute gibt es fast täglich neue Projekte zum Thema fliegende Taxis. Als Pioniere haben wir in den letzten Jahren viel Erfahrung gesammelt, hunderte Flüge absolviert, eine extrem steile Lernkurve und wir sind die einzigen, die heute schon regelmäßig fliegen.

Andreas Jamm: Wann muss Ihrer Meinung nach ein Unternehmer disruptiv mit seinem Geschäftsmodell umgehen? Muss erst eine offensichtliche Krise kommen, bevor man sich bewegt und das Unternehmen neu erfindet?

Alexander Zosel: Der Markt ändert sich aufgrund neuer Technologien heutzutage so schnell. Als Unternehmer prüfe ich unser Geschäftsmodell ständig mit kritischen Blick. Wie verändert sich der Markt, welche neuen Technologien sind relevant für meinen Markt und wird es noch einen Markt für mein Produkt geben? Wenn die offensichtliche Krise bereits eingetreten ist, ist es eigentlich schon zu spät. Selbst in unserem jungen Unternehmen tarieren wir unseren Fokus immer wieder neu aus. Anfangs dachten wir, dass der Weg zum autonomen Lufttaxi ausschließlich über den Volocopter als persönliches Luftfahrtzeug möglich ist. Dank unserer Zusammenarbeit mit der Road and Transport Authority (RTA) in Dubai wissen wir, dass der direkte Sprung von Autotaxi zu autonomen Lufttaxi möglich ist.

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Andreas Jamm: Disruption wird in der Regel mit der Verfügbarkeit und dem Einsatz neuer Technologien in Verbindung gebracht. Welche Technologien oder andere fundamental neuen Lösungskonzepte waren oder sind für Sie ausschlaggebend? Was waren sonst Ihrer Meinung nach relevante Treiber des Wandels?

Alexander Zosel: Die Weiterentwicklungen in der Batterieleistung und der immer kleiner werdenden Sensoren sowie schneller werdende Micro-Prozessoren haben den Volocopter ermöglicht. Diese Technologie hat mein Mitgründer Stephan Wolf damals erstmals bei einem Quadrokopter – einem Spielzeug – gesehen und bekam die Idee, das Ganze zu vergrößern. Treiber des Wandels sind die unzähligen Vorteile eines Multicoptersystems im Gegensatz zu einem klassischen, mechanisch sehr komplexen und teuren Helicopters, sowie von der Marktseite betrachtet die innerstädtischen Verkehrsprobleme und der Umstand, dass die Infrastruktur am Boden in den Megacities dieser Welt nicht mehr relevant ausbaubar ist.

Andreas Jamm: Warum sind Sie Ihrer Meinung nach ein Disruptive Champion?

Alexander Zosel: Wir disruptieren die Mobilität in den Innenstädten, d.h. wir sind die Pioniere weltweit, die als erstes umsetzbare Technologie entwickelt hatten, um den innerstädtischen Nahverkehr in die 3. Dimension zu heben.

Zur Volocopter GmbH

Die Volocopter GmbH ist weltweit führend bei der Entwicklung von senkrecht-startenden, voll-elektrischen Multikoptern für den Personentransport und als Schwerlastdrohnen. Die technische Plattform ist äußert flexibel und lässt den pilotierten, ferngesteuerten und voll-autonomen Flugbetrieb zu. Darüber hinaus sorgt das einzigartige Konzept aufgrund seiner hohen Redundanz aller kritischen Komponenten für extreme Sicherheit. Erklärtes Ziel des Unternehmens ist, jedem Menschen den Traum vom Fliegen zu ermöglichen und modernen Städten zu helfen, ihre wachsenden Mobilitätsprobleme zu lösen. Bereits 2011 schrieb das Unternehmen Luftfahrtgeschichte mit dem bemannten Flug des weltweit ersten, rein elektrischen Multicopter. Seitdem setzte das junge Unternehmen weitere Meilensteine: 2016 erhielt Volocopter die vorläufige Verkehrszulassung durch die deutsche Luftfahrtbehörde für einen 2-Sitzer Volocopter und 2017 traf das Luftfahrt-Startup eine Vereinbarung mit RTA Dubai über die weltweite Premiere eines autonom fliegenden Lufttaxis. Im nächsten Jahr soll der erste Volocopter mit Zulassung auf den Markt gebracht werden. Die Gründer Stephan Wolf und Alexander Zosel haben mittlerweile ein schlagkräftiges Team von erfahrenen Managern wie CEO Florian Reuter und CTO Jan-Hendrik Boelens um sich versammelt. Damit wurden die Weichen für das weitere Wachstum des Unternehmens gestellt.

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2 Kommentare. Leave new

  • “Wir disruptieren die Mobilität”…im Sinne gängiger Disruptionstheorien würde dies bedeuten, dass Volocopter die Investitionen marktbeherrschender Unternehmen in der Mobilitätsbranche in Gefahr bringt. Ohne in Frage zu stellen, dass es sich um ein innovatives und spannendes Konzept handelt ist das wohl etwas zu weit gegriffen. Spannend ist und bleibt hier doch die Frage, in welchen Märkten die entwickelte Technologie (oder Lösung) als potenziell disruptive Technologie tatsächlich zu einer Disruption führen kann…

    Antworten
    • Markus Böhm
      16. März 2018 11:12

      Die Story von Volocopter ist ja noch lange nicht zu Ende geschrieben. Die “Technologie” wird sicherlich die Mobilitätsbranche stark verändern und damit in Zukunft auch den Automotive Markt disruptieren. Sicherlich ein Grund, weshalb auch Daimler in das Unternehmen eingestiegen ist.

      Antworten

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